31.08.2026

In einigen Schweizer Gemeinden erreicht der Übertourismus teilweise höhere Werte als in Venedig

Village suisse de montagne pris d'assaut par des touristes, illustration du surtourisme

Eine Kennzahl, die Übernachtungen in Relation zur Einwohnerzahl setzt, zeigt, dass mehrere Schweizer Alpen­gemeinden deutlich „intensiver“ besucht werden als beliebte europäische Hauptstädte und Inseln.

Das Phänomen der „Opferdestinationen“

Übertourismus ist zu einem wiederkehrenden Thema geworden: Nach der Pandemie stiegen die Gästezahlen stark an, und die Bewohnerinnen und Bewohner mancher Ferienorte bringen ihren Frust zum Ausdruck. In der Schweiz wurden im letzten Jahr in Hotels fast 43 Millionen Übernachtungen registriert, ein bislang laut Bundesamt für Statistik (BFS) nie erreichtes Niveau.

Messung der Tourismusintensität

Um über die reinen Gesamtübernachtungszahlen hinauszugehen, hat die Europäische Kommission einen Indikator entwickelt, die „Tourismusintensität“, berechnet als Verhältnis der Zahl der Übernachtungen zur Einwohnerzahl. Dieser Indikator berücksichtigt die Größe der Gemeinden und erfasst besser die „Verwundbarkeit“ eines Reiseziels gegenüber Übertourismus.

Die „Tourismusintensität“ wird berechnet, indem die Zahl der Übernachtungen durch die Einwohnerzahl geteilt wird.

Schwerpunkte in der Schweiz

Die 186 Gemeinden mit mehr als drei regelmäßig geöffneten Beherbergungsbetrieben machen 80 % der gesamten Übernachtungen aus; die übrigen Gemeinden können aus Gründen des Datenschutzes vom BFS nicht veröffentlicht werden. Wallis, das Berner Oberland, Graubünden und die Zentralschweiz rund um den Vierwaldstättersee treten als am stärksten betroffene Regionen hervor, zum Teil weil die meistbesuchten Gemeinden oft klein sind.

  • Zermatt: mehr als 1,6 Millionen Übernachtungen und rund 6.000 Einwohner, entsprechend einer Tourismusintensität von 269 Übernachtungen pro Einwohner (der höchste Wert unter den analysierten Gemeinden).
  • Lauterbrunnen und Grindelwald: 215 bzw. 210 Übernachtungen pro Einwohner und damit das Schweizer Podest komplettieren.
  • Weitere Spitzenorte: St. Moritz, Loèche‑les‑Bains, Saas‑Fee und Interlaken.

Insgesamt überschreiten 13 Schweizer Gemeinden eine Tourismusintensität von 100 Übernachtungen pro Einwohner. Einige griechische Inseln weisen vergleichbare Werte auf.

Europäische Vergleiche und Folgen

Zum Vergleich: Laut Eurostat lagen Mallorca und Paris 2024 bei Intensitäten von 57 bzw. 20 Übernachtungen pro Einwohner. In Venedig, Amsterdam und Barcelona betrug der Indikator 47, 18 bzw. 7 und liegt damit unter den Werten der am „intensivsten“ besuchten Schweizer Orte.

Schweizer Städte, obwohl sie die grössten absoluten Übernachtungszahlen aufweisen (Zürich ~4 Millionen, Genf ~2,3 Millionen, Basel ~1,5 Millionen), zeigen niedrigere Intensitäten, im Allgemeinen zwischen 7 und 16 Übernachtungen pro Einwohner.

Die Europäische Kommission weist darauf hin, dass starke Touristenzentrierungen negative Folgen haben können: Ungleichgewichte in der Tourismusentwicklung, Druck auf den Wohnungsmarkt und die Lebenshaltungskosten, Belastung der Ressourcen und Verwundbarkeit gegenüber Nachfrageschocks.

Quelle: watson.ch/fr