Im Jahr 2025 erwirtschaftete der Tourismus 11,6 Billionen US-Dollar, das entspricht 9,8 % des globalen BIP. Auf dem A World for Travel (AWFT) Forum in Paris wägen Branchenfachleute und Institutionen dieses Wachstumspotenzial gegen die geopolitischen, klimatischen und technologischen Risiken ab, denen der Sektor ausgesetzt ist.
Erhebliche wirtschaftliche Bedeutung, gute Aussichten
Das World Travel & Tourism Council (WTTC) erinnerte die Teilnehmenden auf dem A World for Travel Forum in Paris daran, dass der Tourismus 2025 einen Wert von 11,6 Billionen US-Dollar hatte, was 9,8 % des weltweiten Bruttoinlandsprodukts entspricht. Laut Prognosen, die Maribel Rodríguez, Executive Vice President for Destinations beim WTTC, zitierte, wird die Aktivität 2026 voraussichtlich um 2,5 % zulegen und bis 2036 17,1 Billionen US-Dollar erreichen, ein Anstieg von rund 47 % gegenüber 2025.
Widersprüchliche Signale: Reisewunsch und Budgetbeschränkungen
Die Redner betonten eine Dualität: „Der Wunsch zu reisen erreicht neue Höhen“, stellte Didier Bréchemier, Global Head of Transport, Travel and Logistics bei Roland Berger, fest, doch stehen die Budgets unter Druck. Sicherheitsbedenken lenken einen Teil der Nachfrage zu näher gelegenen Zielen, während Reisende oft Trips bevorzugen, die ihren Leidenschaften gewidmet sind statt rein emblematischen Orten.
„Der Wunsch zu reisen erreicht neue Höhen.“ — Didier Bréchemier, Roland Berger
Ungleichheiten und Konzentration: Tourismus kommt nicht allen zugute
Die aggregierten Zahlen verbergen erhebliche Unterschiede. Das Forum wies darauf hin, dass Frankreich mehr internationale Touristen anzieht als ganz Afrika. In vielen Regionen Afrikas bleibt die Konnektivität ein großes Hindernis: Einige innere Verbindungen erfordern laut Ekaterina Vasileva von der Radisson Hotel Group die Durchreise durch ein anderes Land. Stimmen wie Ola Wright, Generaldirektorin der West Africa Tourism Organization (WATO), fordern eine verstärkte regionale Zusammenarbeit, um auf subregionaler Ebene mehr Wert aus dem Tourismus zu schöpfen statt allein national.
Übertourismus und Saisonalität
Das Phänomen des Übertourismus ist in mehreren europäischen Reisezielen weiterhin ausgeprägt. Eine Statista/Holidu-Studie aus 2023, die auf dem Forum zitiert wurde, führt Dubrovnik mit 36 Touristen pro Einwohner an, gefolgt von Venedig (21). Als Reaktion auf diese Exzesse forderten die Redner Maßnahmen zum Kapazitätsmanagement und zur Saisonverlängerung, um die Besucherströme besser zu verteilen.
Geopolitische Schocks und steigende Kerosinpreise
Der Krieg im Nahen Osten wurde als unmittelbare Bremse identifiziert: Die Teilnehmenden erklärten, dass der Konflikt das Wachstum der internationalen Ankünfte voraussichtlich um 1 bis 2 Prozentpunkte gegenüber den ursprünglichen Prognosen der Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen (UN Tourism) reduzieren wird. Ein weiterer greifbarer Effekt ist der Anstieg der Kerosinpreise, der Langstreckenflüge teurer macht und die Wahl des Verkehrsmittels der Reisenden beeinflusst. Guillaume de Marcillac, Mitbegründer von Pegasus Trains, erinnerte das Publikum daran, dass Züge etwa zwanzigmal weniger CO2 ausstoßen als Flugzeuge, doch bleibt der Preis für Reisende oft entscheidend.
Klima, Biodiversität und nachhaltige Chancen
Die Auswirkungen des Klimawandels sind bereits sichtbar und betreffen sowohl Reiseziele als auch deren Bevölkerung. Auf Mauritius schreitet die Strandabtragung „schneller als erwartet“ voran, räumte Clency Roméo, Head of Sustainable Development bei Sunlife, ein und hob die Folgen für die lokale Wirtschaft hervor. Gleichzeitig sehen manche Akteure im Tourismus einen Hebel für den Schutz: Daniel Turner, Gründer von Animondial, erinnert daran, dass laut WWF „73 % der Wildtierpopulationen seit 1970 zurückgegangen sind“, ist jedoch der Ansicht, dass gut gestaltete Tourismuserlebnisse zum Naturschutz beitragen können.
Technologie: KI verändert Nutzungsweisen
Künstliche Intelligenz verändert das Verhalten der Konsumentinnen und Konsumenten rasant. Eine auf dem Forum vorgestellte Studie von Booking.com zeigt, dass 69 % der Generation Z KI zur Planung oder während ihres Aufenthalts nutzen, verglichen mit nur 11 % der Babyboomer. Diese Revolution erfordert Investitionen und die Anpassung von Angeboten an neue Nutzungsweisen.
Kontrastierende Tourismusbilanzen in Europa
Das WTTC hob Unterschiede zwischen europäischen Ländern in Bezug auf Tourismusausgaben hervor. 2025 verzeichnete Frankreich einen positiven Saldo von 19,4 Milliarden €, mit 81,3 Milliarden € Ausgaben durch ausländische Besucher gegenüber 61,9 Milliarden € Ausgaben seiner Einwohner im Ausland.
Im Gegensatz dazu wiesen Deutschland und das Vereinigte Königreich 2025 Defizite von jeweils 74 Milliarden € bzw. 72 Milliarden € auf, was höhere Ausgaben ihrer Einwohner im Ausland widerspiegelt. Für Spanien und Italien wurden auf dem Forum keine vergleichbaren Daten präsentiert.
Das AWFT-Forum hob somit eine kontrastreiche Realität hervor: Tourismus bleibt ein bedeutender Wirtschaftsmotor und eine Quelle langfristigen Wachstums, agiert jedoch in einem unsicheren Umfeld, in dem Preis, Sicherheit, Saisonalität, Klimafragen und technologische Disruptionen ein Umdenken bei Angeboten und Politiken erzwingen.
Quelle
- Tourisme l industrie qui pese pres de 10 du pib mondial est elle a l abri des crises (lechotouristique.com)